Hallo Leute,
ich habe auch an der medienakademie studiert (Fachrichtung –Regie). Bin letztes Jahr fertig geworden.
Ich möchte nun auch versuchen, für diejenigen die eine Bewerbung in Erwägung ziehen, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.
Ich richte mich deshalb insbesondere an diejenigen die gar keine Erfahrung haben, da ich leider während der Aufnahmetage immer wieder mit jungen Bewerbern sprach, die gar illusorische Vorstellungen von Jobs in der Filmbranche haben oder gar keine. Was ich immer skurril fand, weil ist ja nicht billig der Spaß…
(Kurz zu „Norton“: hinter ihm steckt nicht Dr. Mäder (einer der Geschäftsführer von „die medienakademie AG“). Er ist ein ehemaliger Student, den ich auch persönlich kenne. Ich habe in meinem ersten Jahr an einer Produktion von ihm mitgearbeitet.
Kurz zu meinem Werdegang:
Ich erzähl euch dass nur, damit ihr seht auf welchem Fundament meine Meinung steht. Sorry, für diejenigen die sich „vollgelabert“ fühlen.
Ich habe auch schon früh angefangen und dann beim OK-Kiel Kurse gemacht und angehende Studenten der HFF kennengelernt, bei deren Bewerbungsfilmen ich mithelfen durfte. Dann wollte ich es aber richtig wissen. Vor dem Studium habe ich nach einem mehrmonatigen Praktikum eine Ausbildung in einer TV-Produktionsfirma absolviert, dann mein Abi nachgeholt und mit dem Studium begonnen. Seit 2000 habe ich auch während des Abiturs und des Studiums, aber am meisten in den Ferien, für diverse Produktionsfirmen gearbeitet. So und nu bin ich fertig mit dem B.A. hat also schon mal ne ganze Weile gedauert *lol*.
Mir ging es so wie vielen anderen hier. Ich habe meine drei Jahre Ausbildung hinter mich gebracht und es dann an der HFF versucht. Leider habe ich ihre Auflagen nicht 100 Prozentig erfüllt (damals waren es 6- Monate Praktikum im direkten Umfeld eines Regisseurs) und dann wurde ich zur Tür hinaus geschoben. Ich denke, dass ich hiermit eine Situation anspreche die viele hier im Forum kennen. Viele Alternativen sah ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich wollte Regisseurin werden aber wie.
Ich entschied mich dann für „die medienakademie“.
Generell:
Ich kann nur jedem dem es ernst ist im Filmgeschäft zu arbeiten raten, zunächst einmal ein Praktikum in einer Produktionsfirma zu absolvieren, um sich mit der Arbeitssituation und den Abläufen vertraut zu machen. Es muss ja keine Ausbildung sein

aber ein paar Monate geben den richtigen Geschmack. Ich denke, dass einige sich sehr wundern werden. Und ja, auch Kaffeekochen und kopieren gehört dazu!
Das Filmgeschäft ist sehr hart und jeder der da arbeiten möchte, muss sich im Klaren darüber sein, dass man wenn Dreh ist seinen Arsch pünktlich aus dem Bett liften muss. Erst Recht wenn man als Prakti mit dem Set-Assi für den Kaffe zuständig ist!
Geschichten wie: „ich habe Kopfschmerzen oder Halsweh.“ sind da überhaupt nicht angebracht.
Zu dem benötigt man viel Ehrgeiz und Fleiß/ Eigeninitiative, muss einen langen Atem haben, Rückschläge wegstecken können und ein wenig Glück gehört sicher auch dazu. Träume sollte man haben, aber Traumtänzer werden von der Industrie schnell auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich denke nach 10 Jahren kann ich das beurteilen. Zur HFF (80% der Abgänger der Regiestudiengänge entscheiden sich später etwas anderes zu machen, weil sie es in der Filmindustrie nicht packen. Diese Quote habe ich mir nicht aus dem Hintern gezogen. Die stammt von einem der HFF Professoren ). Das Leute wie „Norton“ so einen Super Einstieg schaffen ist keinesfalls selbstverständlich. Da steckt extrem viel Engagement hinter!
Es gibt auch sehr viele Quereinsteiger in der Branche die etwas studiert haben was nicht mal im Entferntesten mit Film zu tun hat. Diese haben sich meist über Praktika oder einen Fahrerjob hochgearbeitet.
Zum Studium an „die medienakademie“:
Da der ganze Studiengang eine Menge Geld kostet, sollte man sich wie oben bereits geschrieben im Klaren darüber sein auf was man sich einlässt (Praktika).
Nebenbei zu arbeiten kann ich wenig empfehlen. Es handelt sich um einen Vollzeitstudiengang in einer Art Klassenverband (fühlt sich eher an wie beim Abi als auf der Uni). Die meisten Leute die ich kenne die nebenbei z.B. im Schichtdienst (z.B. Tanke) gearbeitet haben, hatten oftmals Probleme ihre Arbeitszeiten mit denen der Uni (ich sag jetzt mal Uni), insbesondere bei Projektarbeiten zu koordinieren. Da die Anwesenheit auch obligatorisch ist, versteht die medienakademie da auch keinen Spaß. Zudem sollte man die Projektarbeiten die die Uni anbietet auch wahrnehmen, weil gerade diese einem sehr viel bringen! Und ja das Studium ist gerade auch in den technischen Bereichen sehr stark ausgeprägt und meiner Meinung nach hat das auch seinen Grund. Wer als Regisseur am Set arbeitet, hat es mit vielen unterschiedlichen Departments zu tun die er koordinieren muss. Es kann nur von Vorteil für einen Regisseur, sein Team und den Film sein, wenn ein Regisseur in der Lage ist eigene Vorschläge und Lösungsansätze für bestimmte Probleme mit zu entwickeln. Wenn er die Grundzüge der Arbeit seiner Mitarbeiter versteht, ist er in der Lage ihre Sprache zu sprechen und kann auch gute Arbeitsbedingungen für sein Team liefern. Deshalb muss er kein Techniker sein. Aber Grundwissen schützt ihn davor utopische Ideen zu entwickeln in die er sich verrennt und die ihm keiner seines Stabs so erfüllen kann. Also geht „nicht, gibt’s nicht“ – ist in dem Sinne – „geht nicht so – geht aber anders“.
Der Studiengang ist ein Bachelor Studiengang – also ein Grundstudium. Es gibt Spezialisierungen gegen Ende des 4. Semesters. Aber die eigentliche tiefe Spezialisierung findet danach statt. Entweder dann wenn man danach in die Industrie geht oder man einen Master macht. Oder Master und dann Industrie. Um falsche Vorstellungen gleich beiseite zu schieben. Kaum einer geht da raus und ist der fertige Regisseur, dem die Produktionsfirmen nachlaufen! Danach fängt die Arbeit erst richtig an. Man muss sich hocharbeiten und das kann unter Umständen Jahre dauern. Über Regieprakti – 2. Regieassi – Regieassi- und dann irgendwann ist der Traum zum greifen nah. Das ist nicht immer der Werdegang, aber so läuft es am häufigsten ab.
Die Spezialisierung des Studienganges an der medienakademie im Bereich Regie beinhaltet unter anderem Module wie Schauspielführung und Dramaturgie etc. auch die Studenten selbst bekommen in einem Modul Schauspielunterricht. Diese Module gehen allerdings nur über 3-4 Tage. Das man danach nicht der geborene Dramaturg ist, dürfte jedem mit ein wenig Verstand wohl klar sein. Das man sich das unter der Rubrik Regiestudiengang anders Vorstellt ist mir auch klar, aber auch da gilt es sich die entsprechenden Unterlagen mit dem Studienplan zu downloaden und ihr wisst ja: „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.“

Zudem wie oben schon erwähnt wurde: Informiert euch umfangreich und nicht nur kurz mal googlen.
Zur Technik:
Ja, es wird in der Ausbildung generell mit elektronischen Kameras gearbeitet. Es gibt aber auch Module (auch im Regiestudiengang) in denen man eine 16mm Kamera in die Hand bekommt. Allerdings ist dies wieder auf die Modullaufzeit des Kurses begrenzt. Ebenso gibt es Kurse über Optiken etc. (downloaded auch den Plan von der Website). Also auch da bekommen die Regiestudenten einiges an Wissen mit. Teilweise mehr, als einigen lieb ist.
Das die Kamerastudenten natürlich lieber mit Filmkameras arbeiten möchten ist auch klar.
Aber ich beschränke mich hier auf den Regiestudiengang und ich denke die Basics sind gegeben. Alles Weitere lernt man dann ohnehin später am Set. Oftmals versteht man dann auch das was man vorher theoretisch hatte viel besser.
In der Praxis hat sich das bei mir so dargestellt: Kurs gehabt und während des Kurses gelernt wie man das Material im Dunkelsack einlegt. Dann hat der Kurs etwas gedreht als kleines Projekt um den Umgang zu üben. Jeder durfte mal dran. Um mal rein zu schnuppern ist das ganz schön, aber heute könnte ich aus dem Stehgreif keinen Film mehr in die Kassette legen. Muss ich auch nicht können, aber man hat in dem Kurs viel über die Beschaffenheit, Möglichkeiten und Grenzen des Materials erfahren. So ist das mit den Modulen. Deshalb ist die praktische Arbeit an den Projekten wichtig. Die Module sind zeitl. Halt sehr kurz gehalten, deshalb kann man nicht allzu tief in die Materie eindringen. Wer die möchte, muss sich selbst weiterbilden. Dabei kann man auch Unterstützung bei einigen Dozenten suchen. Wir haben z.B. nach den regulären Stunden mit unserem Dozenten Filme selbst entwickelt. Er hat dafür seine private Ausrüstung zur Verfügung gestellt und seine Zeit geopfert.
Was ich toll finde ist, dass die Studenten die Technik immer ausleihen können, (insofern man schnell genug ist, denn andere wollen sie ja auch) sogar über die Ferien. Ich konnte mir auch peu à peu ein wenig Geld mit kleinen Projekten nebenbei verdienen. Bei den Projekten die neben dem Studium angeboten werden, versuchen die Dozenten auch einen Obulus für die Studenten herauszuschlagen. Die Anzahl der Projekte hat seit meinem Abgang stark zugenommen.
Die Akademie ist technisch für die Anwendungen mit elektronischen Kameras gut ausgerüstet. Wer allerdings jetzt den fetten Kran aus einem Making-of erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Für den Einsatz der elektronischen Kameras (also DV, DVCam, DVC-Pro, Digi-Beta etc.) werden ABC-Kräne eingesetzt. Diese sind für die Studenten leicht zu transportieren und sind absolut professionelles Equipment für Kameras aus dieser Klasse. (Will sagen, wenn z.B. eine Doku mit elektronischen Kameras produziert wird, benutzt man diese auch). Zu meiner Zeit gab es allerdings nur einen. Da müsst ihr euch dann ran halten und früh buchen. Wer sich nicht mit dem „Rollbrettdolly“ anfreunden kann, sollte sich mit den Jungs in der Kamerawerkstatt von Studio Hamburg gutstellen. Ein Praktikum dort ist übrigens ohnehin sehr zu empfehlen!
Mitweida
Ja, alle Studenten müssen nach Mittweida. Das ist der staatl. Übergang. Euer Bachelor Zeugnis wird auch von der dortigen Hochschule (FH Mittweida) ausgestellt werden. Und ja, Mittweida ist ein Kaff im Osten und es gibt dort auch Rechte. Die sind aber nicht ständig präsent und randalieren. Ich habe sie nur einen Abend gesehen. Da hingen die vor einem Imbiss herum und brüllten über die Straße. Ganz ehrlich, mir hat das auch gereicht. Ansonsten habe ich sie nicht zu Gesicht bekommen. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass jemals zu Übergriffen auf Kommilitonen kam.
Mittweida selbst:
Als ich dort ankam sagte ein Kommilitone zu mir nur: Das ist nicht mal mehr DDR, das ist Nachkriegsdeutschland.“ Der Ort an sich ist nicht super schick, aber die Uni dort ist wirklich extrem modern. Mit touch Screens zur Orientieren etc. ich habe mich wirklich gewundert. Und technisch sind die wirklich auch sehr gut ausgestattet. Könnt ihr euch ja auch auf deren Seite ansehen. Es gibt direkt neben der Uni einen Lidl, eine Pizza- und Dönerbude, also verhungern wird da keiner.
Kurzum: Ihr seid da ca. 6 Wochen und habt da eure Vorlesungen. Dabei ist nicht in allen Vorlesungen die Anwesenheit obligatorisch. Viele fahren auch nur zu den obligatorischen Kursen hin und nutzen die Skripte der Professoren und natürlich die Mitschriften des vorigen Jahrgangs.
Am schwierigsten ist es dort eine Unterkunft zu bekommen. Wer vermietet schon ne Wohnung für 6 Wochen? Das ist nicht so einfach, allerdings haben es bisher auch noch alle geschafft eine Butze zu finden. Ich z.B. hab zur Untermiete bei einem Studenten gewohnt der im Ausland war. War sehr cool, weil die Wohnung komplett möbliert war. Die Wohnungssuche ist sicher nervig, kann und muss man aber mit leben.
All in all:
Ich würde sagen, der Studiengang macht einem zu einem Allrounder mit leichter Spezialisierung auf den Fachbereich Regie. Ich für meinen Teil bereue es nicht, dass ich mich dafür entschieden habe. Zudem ich auch während des Studienganges bemerkt habe, dass ich im Bereich der Produktion arbeiten möchte. Dies liegt auch an den Dozenten, die eher als ich bemerkten, dass meine Begabung eher in diesem Bereich liegt und mich dorthinein drängten. Worüber ich jetzt auch sehr froh bin! Die akademie hat mir dabei geholfen einen Praktikumsplatz zu finden, der dazu geführt hat, dass ich nun auch in der Produktion arbeiten kann und es auch tue.
Das heißt aber auf keinen Fall, dass ich durchgehend beschäftigt bin. Falls jemand diese Vorstellung hat, sollte er sich von dieser bitte gleich trennen.
Es ist nun mal so, dass viele nach dem Bachelor Abschluss erstmal da stehen und sich umschauen müssen. Man sollte sich aus diesem Grund schon frühzeitig während des Studiums darum bemühen, während verschiedener Praktika Kontakte in die Branche zu knüpfen. Somit ist das Studium kein Garant für einen Arbeitsplatz, „man muss die Hinterbeine lang machen“.
Einige, wie mein ehemaliger Kommilitone, haben nach ihrem Studienpraktikum direkt als Cutterassistent in eine TV-Produktion einsteigen zu können. Dazu muss man auch sagen, dass er ebenso wie Norton, unheimlich engagiert und talentiert ist @ „Hinterbeine“.
Viele entscheiden sich auch weiter zu studieren. Wie z.B. ich. Meine andere Kommilitonin hat über ihr Praktikum in der Kamerawerkstatt sehr geniale Regiepraktika ergattern können, die sie nun zu der Aufnahme an der HFF befähigen. Für mich wäre das nichts (nochmal 4 Jahre), dafür bin ich inzwischen zu alt *lol*.
Ich habe auch einen Kumpel der mit mir damals in Kiel angefangen hat. Er bewarb sich zweimal an der HFF. Wurde abgelehnt, machte einen teuren Dramaturgie-Kurs und fährt nun seit 8 Jahren Taxi in Berlin, immer in der Hoffnung irgendwann seinen Traum doch noch wahr werden zusehen.
Also näh… Ich bin glücklich so wie es ist!
Ich kann euch nur raten: Macht Praktika und dann Infos einholen ohne Ende. Geht zum Infotag und fragt, ob ihr vielleicht mal in die Uni reinschnuppern könnt. Also mal als Gasthörer reinsetzen, damit ihr für euch entscheiden könnt, ob dies für euch der richtige Weg ist. Denn damit ist ja auch eine Menge Geld verbunden. Die meisten werden einen Kredit aufnehmen müssen, den sie sich für Jahre ans Bein fesseln. Und die Bank interessiert es nicht, ob ihr nach dem Studium gerade keinen Job habt.
Also sollte diese Entscheidung wohl überlegt sein.
Ich hoffe, dass dies einigen weiterhilft.
Grüße
Flo